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Ehrenamtliches Engagement in Weißwasser geehrt

Mit ihrem Blut retten Sie unzählige Leben Weißwasser.

Hartmut Schirrock (v.l.), Barbara Koschkar, Maik Warich, Sven Staub, Dieter Hermann, Jens Scholz und Dr. Christiana Hübler freuen sich gemeinsam über sechsundsiebzig solcher symbolischer Eimerchen voller Blut, die Dieter Hermann im Laufe seines Lebens gefüllt hat. FOTO: Steffen Bistrosch

Der DRK-Kreisverband Weißwasser ehrt langjährige Blutspender und ehrenamtliche Helfer im Hotel „Kristall“. Von Steffen Bistrosch

Vor dem geistigen Auge können aus Statistiken durch bildhafte Vergleiche eingängige Vorstellungen entstehen. Nehmen wir einfach an, ein winziger Tropfen Blut enthält 0,05 Milliliter Flüssigkeit und breitet sich auf zwei Millimeter aus, so würde die Blutstropfen, die der Weißwasseraner Dieter Hermann in seinem Leben gespendet hat, insgesamt 3 040 000 Millimeter ergeben. Das entspräche 3040 Kilometer, ausreichend für eine rote Linie, die vom Hotel „Kristall“ bis über den Schweren Berg hinaus bis in den Tagebau reichen würde.

Spuren hinterlassen hat Dieter Hermann in seinem Leben ganz sicher. Wie viele Leben er mit seinen Spenden gerettet haben mag, bleibt eine hypothetische Frage, es werden einige gewesen sein. Der zweiundsiebzigjährige frühere Pädagoge, der lange Jahre im Kraftwerk Boxberg tätig war, kann sich an seine erste Spende im Jahr 1969 gut erinnern. Sein damaliger Dozent an der Uni in Gotha hatte ihn dazu animiert. Dabei geblieben ist er, weil „jeder seinen eigenen Beitrag dazu leisten kann, zu helfen oder ein Leben zu retten.“ Hermann erinnert sich gern an die Zeit etwa bei den zehnten Weltfestspielen in Berlin, als sich junge Leute aus Solidaritätsgedanken massenhaft bereit erklärten, Blut für eine gute Sache zu spenden. Oder als er an der Berliner Charité als Proband für seine Lehrlinge herhielt, weil sie sehen wollten, inwiefern sich das Spenden auf seinen Allgemeinzustand auswirkt. Als das offensichtlich spurlos blieb, erklärten sich seine Schützlinge ebenfalls bereit, zur Ader gelassen zu werden.

Hermann schmunzelt bei den Geschichten. Damit ist jetzt Schluss, am 4. März diesen Jahres hat er die letzte Spende geleistet. Bei ihm und weiteren 50 geladenen Spendern aus der Region Niesky und Weißwasser, die mindestens 75 oder mehr Spenden geleistet hatten, revanchierte sich das DRK mit einer Dankeschön-Veranstaltung im Hotel „Kristall“ am Montag in Weißwasser. In den Grußworten freute sich Barbara Koschkar, die Chefin des DRK-Kreisverbandes Weißwasser, über das uneigennütziges Engagement der Spender und ehrenamtlichen Helfer, „Ohne das läuft nichts, auch nicht das Blut, das wir dringend für unsere Arbeit benötigen. Mit der Spende übernehmen Sie unentgeltlich und freiwillig Verantwortung für Menschen, die Hilfe brauchen.“

74 Spendentermine hat es im Altkreis 2018 gegeben, dafür seien mehr als eintausend ehrenamtliche Stunden geleistet worden. Hartmut Schirrock als Vertreter der Stadt Weißwasser bedankte sich ebenfalls in einer offiziellen Rede bei den Anwesenden im Saal. Danach hielt DRK Vorstandsmitglied Dr. Christiane Hübler, Kreisverbandsärztin und Leiterin Herstellung Blutkonserven aus Dresden, eine kurzweilige Rede zum Thema Blut. Für Erstaunen sorgte die Tatsache, dass viele der Spender ihre eigene Blutgruppe gar nicht kennen. Mit dabei hatte Hübler einen roten Fünf-Liter-Eimer, den zehn Spender bei einem Termin bis zum Rand füllen würden. Sie erzählte den Anwesenden, jeder Erwachsene verfügt etwa über fünf bis sechs Liter Blut, der halbe abgezapfte Liter sei nach spätestens vier Wochen ersetzt. Werbung in eigener Sache machte die Medizinerin, als sie die Zuhörer bestärkte, sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen, um vielleicht noch ein Leben mehr retten zu können. Angst davor sei unbegründet. Die Stammzellen für eine Transplantation werden nicht dem Rückenmark entnommen, wie von vielen befürchtet, sondern aus dem Knochenbereich, etwa dem Beckenkamm oder dem Brustbein.

Der offizielle Teil der Veranstaltung wurde mit der Einzelehrung abgeschlossen. Vielen der namentlich Aufgerufenen stehen große Freude und Stolz neben ein klein wenig Aufregung ins Gesicht geschrieben. Bei den ehrenamtlichen Helfern bedankte sich das DRK ebenfalls.

Irene Schreiner aus Weißwasser beispielsweise ist seit Jahrzehnten dabei. Die Rentnerin engagiert sich in ungezählten Stunden. „Warum auch nicht?“, sagte sie lachend. Seit den 1970er-Jahren ist sie Mitglied der Feuerwehr. Beim Blutspenden hilft sie seit der Wende, ebenso im Sozialmarkt des DRK. „Auch wir Älteren werden noch gebraucht“, fügt sie hinzu. Auf 93 Blutspenden bringt sie es selbst inzwischen. Einige sollen noch hinzukommen, wie auch noch möglichst viele Jahre Ehrenamt beim DRK und der Feuerwehr. Sie empfindet große Freude und Optimismus bei ihrer Arbeit. Diese Zuversicht strahlt sie auch aus. und sie hofft wie wohl alle an diesem Abend im Saal, dass sich viele, die sich bisher aus unterschiedlichsten Gründen zurückgehalten haben, in Zukunft dafür entscheiden können, anderen zu helfen.

Gelegenheiten zum Blutspenden gibt es viele, meist bis zu fünf pro Jahr. Und es wird eine Neuerung beim Blutspendedienst geben: Statt der bisher üblichen standardisierten Präsente wird ein Bonusheft eingeführt. Somit kann sich jeder potenzielle Spender seine künftige Prämie selbst „erarbeiten“. Christiane Hübler sagte zum Abschluss, „Wirklich wertvoll ist jedoch Ihr Blut und Ihre Bereitschaft zu spenden.“ Und für einen Anfang sei es nie zu spät.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser vom 02.05.2019

2. Mai 2019 07:35 Uhr. Alter: 75 Tage